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Eine generalistische Ausbildung in der Pflege

Ist die generalistische Pflegeausbildung ein Erfolgsmodell?
Schwieriger Start in Bayern – KostenĂŒbernahme nicht geklĂ€rt

 

Kontrolle und intensive Pflege

 

 

BERCHTESGADENER LAND (gsp). Die Ausbildungsinhalte der Altenpflege sind seit 2003 im bundeseinheitlichen Pflegeausbildungsgesetz verankert. Hingegen liegt die Umsetzung der Ausbildung in der Altenpflegehilfe bei den BundeslĂ€ndern. Und so ringen die LĂ€nder seit acht Jahren um den richtigen Pflegeansatz. Einigkeit besteht heute fĂŒr das Modell einer „Generalistischen Pflegeausbildung“, wie man sie in Bayern aktuell in einem Schulversuch prĂŒft. Eine Vorreiterrolle nimmt hier das Land Nordrhein-Westfalen ein, wo man damit beste Erfahrungen gemacht hat. Die generalistische Pflegeausbildung schafft fĂŒr die Berufe Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege eine gemeinsame Basis.

Schulleiter Michael Krajnc, von der Berufsfachschule fĂŒr Altenpflege und Pflegefachhilfe Insula in Bischofswiesen, ist von dem neuen Ansatz in der Berufsausbildung ĂŒberzeugt. „Sie bietet den Auszubildenden selbst eine breitere und damit bessere berufliche Basis. Zudem wird sie den verĂ€nderten Anforderungen in der Altenpflege gerechter, die zunehmend auch die Verrichtung von ‚Àrztlichen TĂ€tigkeiten’ abverlangt.“ Krajnc spielt damit auf die wachsende Notwendigkeit an, medizinische Nachversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt hĂ€ufig in den Senioreneinrichtungen leisten zu mĂŒssen. „Auch das ist eine Folge der Maßgabe „Ambulant vor StationĂ€r“, so der Schulleiter.

In dem bayerischen Schulversuch werden 25 Lernfelder mit insgesamt 2100 Stunden abgedeckt. Dabei entfallen 1700 Stunden der theoretischen Ausbildung auf den generalistischen Anteil der Pflegeausbildung und 400 Stunden auf den beruflichen Schwerpunkt. Übergreifend verlĂ€uft die Ausbildung in der Berufsfachschule, dem Ausbildungsbetrieb sowie im Wechsel dazu im Krankenhaus oder einer Einrichtung der Altenpflege. Das Ausbildungskonzept sowie deren praktische Umsetzung sind also lĂ€ngst erarbeitet, doch es fehlt an der entschlossenen Verwirklichung bedauert Michael Krajnc.

„Wir wollten bereits 2010 starten und haben 14 Bewerber vertrösten mĂŒssen. Nun hoffen wir auf den Sommer 2011 bzw. auf das Jahr 2012, doch es ist bis jetzt unsicher, ob die generalistische Ausbildung in den Pflegeberufen bayernweit endlich umgesetzt wird.“ Die bayerischen Berufsfachschulen warten mit vielen anderen Einrichtungen auf eine verbindliche Zusage des Bayerischen Staatsministeriums fĂŒr Unterricht und Kultus zur Übernahme des Schulgeldausgleiches, der 21 Prozent der Kosten abdeckt. „Solange das nicht geregelt ist, sind auch uns die HĂ€nde gebunden.“ Als Alternative verbliebe eine KostenĂŒbernahme u. a. durch die TrĂ€ger, also durch die Ausbildungsbetriebe. „Das aber wiederum verteuert die Leistungen der Altenpflege insgesamt und begĂŒnstigt jene Betriebe, die nicht ausbilden“, argumentiert Michael Krajnc. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern bemĂ€ngelt die Streichung des freiwilligen Schulgeldausgleichs und setzt sich fĂŒr eine Gleichstellung der Ausbildung von Alten- und Krankenpflege ein.

Dabei sind FachkrĂ€fte in den Pflegeberufen begehrt und die Branche klagt insgesamt ĂŒber einen Pflegenotstand. So mahnt die Diakonie Bayern bessere Rahmenbedingungen, eine bessere Bezahlung und eine generalistische Ausbildung in der Altenpflege an. Sie fordert darĂŒber hinaus einen gemeinsamen Abschluss der Ausbildung und nicht wieder eine Trennung in Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder in die Altenpflege. „Es mĂŒssen fĂŒr die Krankenpflege und die Altenpflege gleiche Rahmenbedingungen fĂŒr gleiche Startbedingungen in die Ausbildung und Arbeit gewĂ€hrleistet werden“, so die Forderung der Diakonie.

Auch andere Einrichtung der Altenpflege, wie die Domus Mea Management GmbH, begrĂŒĂŸen die Entwicklung hin zu einer generalistischen Ausbildung und unternehmen ihrerseits viel zur Gewinnung von Berufsnachwuchs. Dazu zĂ€hlen ein Hilfsprojekt in Kenia ebenso wie eine „Roadshow“ vor bayerischen Schulen. Auch im nahen Salzburg, auf der Berufsfachmesse BIM, wird fĂŒr den Nachwuchs geworben. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Puhlmann: „Wir können die aktuelle Landespolitik zwar nicht beeinflussen, doch wollen wir unseren NachwuchskrĂ€ften die besten Perspektiven bieten.“

 

Foto:
„Intensivpflege in Phase F“ heißt es im Fachjargon, wenn PflegekrĂ€fte in der Seniorenbetreuung sich um Patienten kĂŒmmern, die eine medizinische Versorgung brauchen, wie hier im Domus Mea Seniorenzentrum Bayerisch Gmain.

 

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